Der Schmied Holger Meltzer     

 

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News: Auf dieser Seite möchte ich Ihnen von der Geschichte des Eisens berichten

Sie sind ausgepowert, ausgebrannt, genervt? Von der sinnlosen täglichen Arbeit im Betrieb, den Vorgesetzten oder Untergebenen?

Dann muss eine sinnvolle, sportliche Herausforderung her.

                   Das Schmieden!

Natürlich können sie nicht schmieden.     -  Aber ich  -  Ich sage ihnen was sie machen müssen, und sie schlagen mit dem Vorschlaghammer zu, bis sie vor Erschöpfung zusammen brechen. Schmieden ist Extremsport! Sie benötigen nur etwas Kondition. Die Blasen an den Händen bekommen sie umsonst. Früher war das eine normale Tätigkeit, die Arbeit des Zuschlägers. Ein Zuschläger arbeitete ca. 12 stunden am Tag, 6 Tage die Woche. Heute ist so etwas niemand mehr gewohnt. Also, lassen sie sich in eine andere Zeit entführen. Wir schmieden nur ein - bis zwei Tage am Wochenende. Sie erhalten ein Stück Selbstgeschmiedeten Damast, und wenn sie wollen schmieden wir aus dem Stück einen Briefbeschwerer, Brieföffner, Füllfederhalter, Ringe, Armreifen oder ähnliches. Es müssen nicht immer Messer sein.

An den Stern

Betr.: Die Politiker schätzen, vermuten, nehmen an, denken, glauben.

Diesen Brief schreibe ich Ihnen, weil ich einmal Druck ablassen möchte.

Als Schmied aus Leidenschaft schmiede ich meinen Damaszenerstahl mit meinem Handhammer, weil das Extremsport ist, und man so herrlich seinen Frust abbauen kann.

Aber inzwischen habe ich viel Damast liegen, aber keiner kann die teuren Damastklingen bezahlen, weil niemand das Geld dafür hat. Darüber kann ich mich aufregen.

Als ich im August 1976 als Kfz-Mechaniker (mein erster Lehrberuf) in die Lehre kam, war für mich die Welt noch in Ordnung, und in meiner Freizeit schraubte ich als Service - Mechaniker im Motorsport.

Wie schwer es ist der Beste zu sein wusste ich.

Also musste, so glaubte ich, ein Bundeskanzler der beste Mann von Deutschland sein. Das meiste Wissen, die besten Papiere, usw..

Auch der Wirtschaftsminister musste somit der beste seines Amtes sein. So glaubte ich jedenfalls.

Wie winzig klein kam ich mir da als Lehrling vor.

Aber je älter ich wurde, und umso mehr ich lernte, desto mehr wurde ich enttäuscht. Ein Bundeskanzler, der kein Englisch sprechen konnte, obwohl man mir in der Schule einbläute: Ohne Englisch hast du im Leben keine Chance! Begann ich zu zweifeln.

Und dann haben sich die Größten des Landes bei der Finanzierung der Deutschen Einheit so verschätzt, und den Solidaritätsbeitrag erfunden (für ein Jahr). Heute niedlich Soli genannt, genau wie Handy! Da war es aus mit der Achtung.

Ein Schock jagte den Nächsten.

Hatte ich doch auf der Meisterschule die Grundlagen für Betriebswirtschaft und Rechnungswesen gelernt. Auf den Pfennig genau muss der Handwerksmeister kalkulieren und seine Buchführung in Ordnung halten. Einen Schokoriegel auf der Tankrechnung vergessen und es gibt Ärger mit dem Fiskus!

Aber die hohen Herren? Da reicht ein Blick über den Daumen der fünf Wirtschaftsweisen und gut! Wenn nicht, werden die Steuern erhöht und neue Abgaben erfunden.

Und das regt mich auf. Das bewundernde Aufblicken ist einem verachtetem Blick auf die Teppichkante gewichen.

Die Renten sind sicher, aber zur Finanzierung der Pflegeversicherung benötigen wir den Buß und Bettag. Nicht viel später hieß es: Sie müssen selbst für ihre Altersversorgung sorgen! Aber der Buß und Bettag bleibt gestrichen. Ich möchte nicht alles wiederholen über das sie schon geschrieben haben, dafür ist mir die Tinte zu teuer.

Aber der Hammer ist die gefühlte Inflationsrate! Da werden die letzt verbliebenen Arbeiter zum Dank für die gezahlten Steuern und Abgaben noch verhöhnt.

Wie schon gesagt, Steuern müssen sein o. k. aber ich möchte nicht von einem Vollgefressenen Bonzen verhöhnt werden.

Wenn ich höre wie die Fachleute schätzen und annehmen, platzt mir fast der Kragen, und ich schmiede wieder Damast.

Nullrunden seit 10 Jahren (im Handwerk) aber Wasser, Gas, Öl, Strom, Benzin, Mieten, alles ist teurer geworden. Ein Handwerker in Schleswig-Holstein muss allein für seine Miete rund die Hälfte seines Netto Einkommens aufbringen!

Aber Herr Jauch hat uns im Spiegel TV erklärt, wir bilden es uns alles nur ein.

Nach dieser Sendung habe ich wieder Damast schmieden müssen.

Und die hohen Herren? Sie schätzen, vermuten, nehmen an, fühlen, raten, kalkulieren....

Gibt es keine genaue Zahlen, Quittungen, Rechnungen, Unterlagen, Computer????

Altkanzler Helmut Schmidt sprach von dem Unternahmen Bundesrepublik.

Aber ein gesundes Unternehmen macht Bilanz und was noch wichtiger als Bilanzen sind eine G + V also Gewinn und Verlustrechnung. Eine einfache Gegenüberstellung aller Einnahmen und Ausgaben. Heute Überschussrechnung genannt. Ich muss sie jedes Jahr dem Finanzamt vorlegen.

Aber die hohen Herren können keine Beläge sammeln? Und zusammenrechnen?

Sie schätzen, fühlen und vermuten – und verschätzen sich natürlich immer. Dann verkaufen sie eben bundeseigene Unternehmen und Immobilien. Ein Tropfen auf den heißen Stein. Und wann verkaufen sie unsere Kinder?

Die Bundes Republik besteht nur noch auf dem Papier, keine eigene Währung, keine eigene Industrie, und keine eigene Immobilien! Nur Schulden!

Mir ist es peinlich, dass ich früher einmal Respekt vor den hohen Herren hatte.

Aber warum geht alles den Bach hinunter?

Der klügere gibt nach! Haben wir in der Schule gelernt. Oder, du hast Recht und ich meine Ruhe.

Und so kann sich die Ellenbogengesellschaft von Mobbern und Intriganten, auf der Karriereleiter nach oben in die Politik und in die Aufsichtsräte faulen. Und oben angekommen? Wissen sie nicht was sie machen sollen!

Und somit sitzen die Schlechten oben und die guten fegen die Straße.

Armes Deutschland, wer soll das einmal den Kindern erklären?

In meiner Schmiede kann ich ab und zu meinen Frust freien Lauf lassen, in dem ich vor Publikum oder Seminarteilnehmern, die Geschichte über Eisen und Bergbau erzähle. Dann vergleiche ich die Geschichte mit Heute.

Mein Urgroßvater (Schulmeister in Berlin) sagte einmal: Diktatur, Monarchie, Demokratie – ist immer der gleiche Misthaufen, es sitzen nur andere Fliegen oben drauf.

Und mein Großvater sagte zu mir: Du erlebst jetzt live den Übergang von der Demokratie zu einer neuen Staatsform –der Bonzokratie!

Aber das hatten wir schon einmal, es hieß zur Zeit des Rokoko, Feudalismus.

Ich sage: In Deutschland leben über 80 Millionen Menschen, wenn nur die 5 Millionen Arbeitslosen, deutsche Produkte kaufen würden, hätten wir mindestens 1 Millionen Arbeitsstellen mehr. Und wir müssten keine Politiker bequemen.

Aber 90% der Bevölkerung sind zu bequem, keine Lust, uns geht es ja noch gut.

Dann kann ich mich wieder aufregen.

Ich möchte ihre kostbare Zeit nicht weiter in Anspruch nehmen. Es tut zumindest gut sich einmal den Frust von der Seele zu schreiben. Somit brauchte ich heute keinen Damast zu schmieden.

Aber wie heißt es doch so schön: Eine Weltreise beginnt immer mit dem ersten Schritt.

Viele Grüße aus Schleswig-Holstein

Der Schmied

Holger Meltzer

PS

www.schmiede-h-meltzer.de

Leider wurde mein Bericht nicht im Stern veröffentlicht. Daher nutze ich meine HP

Zum Thema

„Spaß bei der Arbeit",

Die Spaßgesellschaft

oft werde ich bei meinen Schmiedevorführungen angesprochen mit: „ Das muss ja richtig Spaß machen, oder Schmieden bringt Spaß, man sieht ihnen richtig an wie der Beruf ihnen Spaß macht". Und so weiter. Dann lasse ich oft meinen Hammer fallen uns halte meinen Vortrag über das Thema: Spaß bei der Arbeit.

Wenn mir dieser schwere Beruf Spaß machen würde, müsste ich ein Masochist sein. Dieser Beruf ist sehr schwer und Anstrengend. Aber ich übe diesen Beruf aus, weil mir körperliche Arbeit nicht schwer fällt, außerdem kann ich kreativ sein. Wenn ich eine Arbeit fertig gestellt habe, freue ich mich über das Resultat.

Also kurz gesagt: Der Beruf des Schmiedes bereitet mir Freude und da nehme ich die körperliche Anstrengung gern in kauf.

Stellen sie sich einmal vor, ein Pathologe hätte Spaß bei der Arbeit? Das wäre doch pervers! Oder nicht?

Eine Altenpflegerin zum Beispiel hat einen viel schwereren Beruf als ich. Aber Spaß bei der Arbeit? Hat sie bestimmt nicht.

Auch die Schule bringt keinen Spaß.

Spaß hat man auf dem Rummelplatz, oder im Kino, im Zirkus.

Es kann natürlich sein, das man einmal Spaß hat. Man kommt nach hause und sagt seiner Frau: „Heute hat es richtig Spaß gebracht. Die Kollegen waren nett, die Arbeit ging gut von der Hand, und der Chef war nicht da. Da haben wir und Witze erzählt."

Aber so ein Tag ist nicht die Regel. Darum finde ich es gemein, wenn die Erwachsenen immer davon erzählen, die Schule bringt Spaß, die Arbeit muss Spaß bringen. Damit gehen die Kinder mit völlig falschen Vorstellungen in das Leben, und werden enttäuscht!

Arbeit ist eine ernstzunehmende Tätigkeit. Verantwortung ist sehr schwer, und hat nichts mit Spaß zu tun.

Beruf kommt von Berufung!

Heute macht jeder nur noch seinen Job. Und den lässt man sich teuer bezahlen- weil er keinen Spaß macht! Woher kommt dieser Wandel?

In alten Zeiten hatten die Altvorderen nicht die Möglichkeit sich ihren Beruf auszusuchen. Sie wurden in ihren Beruf hineingeboren. Die Aufgaben wurden vom Vater auf den Sohn übertragen. Wenn der Vater Bauer war, so wurde der Sohn automatisch auch Bauer. Es herrschte Leibeigenschaft, eine Hörigkeit gegen über dem Lehnsherrn. Genau wie im Handwerk, wo alles durch die Zünfte geregelt wurde. Da konnte der Sohn nicht ausbrechen, es gab auch nicht die Möglichkeit und keine Beispiele. Somit wurde auch kein Verlangen nach Veränderung geweckt. Alles war von Gott so gewollt. Und man fügte sich dem Schicksal.

Außerdem hatte man früher keine Freizeit oder Hobby, auch Urlaub gab es nicht. Eine 70 Stundenwochen an 6 Tagen war völlig normal. Es wurde von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang gearbeitet, nur der Kirchgang am Sonntag war frei. Das war auch der Grund warum die Kirchen immer voll waren.

Natürlich gab es auch früher Ausnahmen, der Goldene Bulle von 1356 z.B. schrieb dem Bergmann eine Arbeitszeit von 8 Std. pro Schicht, 5 Tage Woche, 14 Tage Urlaub, freie Glaubenswahl etc. zu. Aber dies galt nur so lange wie die Gesellschaft Gewinne einfuhr. Außerdem war der Beruf des Bergmannes äußerst schwer und gefährlich, da mussten sich die Bergwerksbetreiber etwas Besonderes einfallen lassen, um freiwillige Arbeiter zu bekommen. Es hat sich nämlich herausgestellt, dass Zwangsarbeiter nicht lange lebten. Nur Freiwillige arbeiten umsichtig, gewissenhaft und effizient. Genau wie heute.

Stadtluft macht frei! War auch eine Ausnahme. Wenn ein Leibeigener geflohen war, hatte er keine Papiere, er konnte von jedem Vogt, Verwalter oder Militär zum Dienst gepresst werden. Auch Wanderburschen aus dem Handwerk, denen die Papiere, die Freisprechung abhanden gekommen war, konnten zur Knechtschaft gezwungen werden.

Nur wenn man es geschafft hatte, in einer freien Stadt, ein Jahr und einen Tag zu leben und arbeiten, wurde man Bürger! Das ging natürlich nur, wenn derjenige ein guter Handwerker war, und sich nichts hat zu schulden kommen lassen. Handwerk hat goldenen Boden.

Natürlich bekam man nicht den Job, den man sich erträumt hatte. Die niederen Arbeiten, die ein anderer nicht machen wollte, wurden einem zugeteilt. Wie z.B. Salpetersieder, sie kratzten den sich an Stallwänden, Gerbergruben, Latrinen bildenden Salpeterkristalle ab und stellen daraus den Salpeter für das Schießpulver her. Eine sehr mühsame und stinkende Arbeit. Daher der Spruch: Geld stinkt nicht.

Wann ist man für seinen Job berufen?

Wenn man ihn freiwillig und gern macht!

Wenn sich jemand vor Dreck ekelt, ist er als Salpetersieder nicht geeignet. Er würde an dem Beruf zugrunde gehen. Er würde krank werden und sich zu Tode ekeln.

Stellen sie sich einmal vor, jemand würde zur Arbeit in meiner Schmiede gezwungen. Jeder Schlag mit dem schweren Vorschlaghammer würde zur Qual. Die Körperhaltung ist verkrampft, schmerzen in den Muskeln und Sehnen wären die Folge. Auf Dauer verschleißen die Knochen und Gelenke. Nach nur wenigen Jahren würde der Zwangsarbeiter arbeitsunfähig sein. Außerdem kann man einem unwilligen nur schwer etwas beibringen. Er würde ein sehr schlechter Schmied werden, dauerndes Ermahnen, Zurechtweisen und Bestrafen belastet auch den Meister und die Gesellen. Das Arbeitsklima wird für alle unerträglich.

Ein berufener Zwangsarbeiter oder Freiwilliger, fügt sich seinem Schicksal. Er nimmt Belehrungen an und wird ein guter Schmied. Dadurch leidet das Betriebsklima nicht, er wird in der Gemeinschaft aufgenommen und wird auch noch belohnt. Er bewegt sich gern und schmiedet behände im Rhythmus auf dem Amboss. Durch die lockere Arbeitsweise, verkrampfen sich seine Muskeln nicht, er bleibt gesund bis zu seinem Ende. So kam es sogar oft vor, dass ein Zwangsarbeiter sich ein Stück „Freiheit" errang.

Heute will man Spaß! Bei der Arbeit, in der Freizeit, in der Ehe oder Beziehung.

Obwohl man sich heute wie früher den Job nicht immer aussuchen kann, hat man heute die Möglichkeit zu vergleichen. Dadurch entsteht Verlangen oder sogar Neid. Der verdient mehr, oder arbeitet weniger. Heute arbeitet man auch unter Zwang und versucht den Ausgleich in der Freizeit zu finden. Und dabei entstehen auch wieder Zwänge. Freizeitstress! Ein jeder mutet sich zufiel zu. Dabei ist Stress eine Körperliche und Geistige Überforderung. Das gab er früher auch, aber früher wusste man es nicht. Man hatte keine Vergleichsmöglichkeit. Und durch die schwere Arbeit konnte man sich den Frust abarbeiten. So konnte ich im Museum am Meer im Nordseeheilbad Büsum einen Auszug aus dem Urlaubsgesetz vom ausgehenden 19. jahrhundert lesen, das nur höhere Angestellte und Beamte einen Anspruch auf Urlaub hatten, weil der Arbeiter mit seiner 72 Stunden Arbeitswoche (ohne Urlaub und Freizeitausgleich) genug Bewegung hat, und somit keinen Urlaub bedarf.

Heute übt man nicht seinen Beruf aus, sondern man erledigt nur seinen Job. Man arbeitet nicht mehr als man muss, möglichst früh Feierabend machen und in die Freizeit gehen.

Als es noch keine Freizeit gab, (es ist noch nicht so lange her, ich bin Bj. 59 und hatte anfangs noch samstags Schule, mein Vater musste noch am Samstag voll arbeiten, er hatte eine 48 Std. Woche. Mein Großvater arbeitete noch 54 Std.) warf sich diese Frage nicht auf. Mein Meister (damals 71 Jahre alt) erzählte mir, dass die Gesellen auf Kost und Logis arbeiteten. Das heißt, sie schliefen und aßen im Betrieb. Es gab nur Taschengeld. Wenn z.B. Dorffest war, hatten sie Anspruch auf 2 Mark Taschengeld, das reichte für ein Paar Bier und Zigaretten. Darum ließ der Meister die Gesellen und Lehrlinge Keile schmieden, danach waren die Leute zu kaputt zum Tanzen und der Meister sparte das Geld. Ein verheirateter Geselle arbeite bei Lohn und Brot. Weiter früher mussten sich die Leute für die Heirat eine Genehmigung bei dem Lehnsherrn einholen. „Frei" war man nur in der Stadt, hier wurde alles von den Zünften geregelt, auch die Hochzeit.

Aber die Berufsehre verbot Pfusch, ein jeder versuchte so gut wie möglich zu arbeiten, man erhielt sich somit den Arbeitsplatz, und ersparte sich den Spott von der Konkurrenz.

Abschließend muss ich sagen, dass wir heute in einem Zeitalter leben, dass mit Abstand das beste Zeitalter der Menschheitsgeschichte ist und auch in Zukunft sein wird.

 

                                    Zum Thema Schmieden

Mythos Schmieden

Ich habe in meinem Bericht über die Herstellung meines Schwertes kurz darauf angesprochen, und mir wurde die Frage gestellt: „Stimmt die Behauptung , das Damast bei Vollmond geschmiedet besser ist als herkömmlicher Damast?"

Diese Frage kann und möchte ich nicht mit nein beantworten.

Heutzutage mit modernen Mitteln ist die Mondfase völlig egal. Der Mond beeinflusst den Stahl bzw. das Eisen nicht im Geringsten.

Aber früher war es etwas anders.

Da ich selbst mit sehr einfachen Mitteln arbeite, muss ich, um eine gleich bleibende Qualität zu erzielen, immer gleich bleibende Arbeitsbedingungen haben.

Der Brennstoff: Heute gewährleistet der Strom, eine gleich bleibende Bedingung. Die Verarbeitungstemperaturen des Stahls sind immer hundertprozentig.

Früher hatte man nur Holz- oder Steinkohle, die Feuerführung ist nicht einfach.

Licht: Heute Strom, das heißt immer gleichmäßige Beleuchtung.

Früher hatte man Tran -, Talg -, Öllampen bzw. Wachskerzen, und die waren teuer.

Die beste Beleuchtung beim Schmieden ist zerstreutes Tageslicht.

Aber man benötigt eine gleichmäßige Beleuchtung, um die Glüh und Anlassfarben des Stahls zu sehen. Ohne die kann man nicht arbeiten. Es entstehen schon Temperaturunterschiede zwischen einer Glühlampe und einer Leuchtstofflampe. Besonders beim Härten, wo es auf jeden Grat ankommt.

Das war auch der Grund, warum man die Schmiede in den Wald baute. Nicht wegen des Holzes, die Kohle bezog der Schmied vom Köhler. Der Köhler konnte die Massen an Holzkohle besser und gleichmäßiger herstellen. Der Köhler war ein eigenständiger Beruf, und außerdem pfusche man keinem ins Handwerk.

Nein, das gleichmäßige Licht war der Grund, die Schmieden standen auch am Dorfrand wegen der Feuergefahr. Wenn große Bäume die Schmiede beschatten reicht es auch. Und ein einfacher Dorfschmied war kein Geheimnisträger der sich verstecken musste.

Aber jeder Handwerker lernte von Überlieferungen und Erfahrungen, und hat seine eigenen Gewohnheiten. Wenn eine Arbeit bei bestimmten Bedingungen gut gelingt, wird er es weiter so gemacht. Und weil die Menschen früher nicht lesen und Schreiben konnte, lernten die Lehrlinge alles in Versform. So wie z.B. bist du des Lebens nicht mehr froh, so stürze dich ihn H2O. Oder: Erst das Wasser, dann die Säure, sonst geschieht das Ungeheure. Auch konnte man sich früher keine Uhr leisten, aber bei bestimmten Arbeitsgängen, wie z.B. Feuerschweißen, braucht man Zeitvorgaben. Früher lernte man bestimmte Ferse auswendig wie das Vaterunser. War eine Strophe zu ende, ist eine bestimmte Zeit vergangen, und das Eisen war warm. Und solche Sprüche leise vor sich hingemurmelt, wurde von der abergläubischen Bevölkerung als Zaubersprüche gedeutet. Auch Alchemisten, die auch ihre Sprüche murmelten, viele in Latein oder sogar Verschlüsselt, gelten noch heute als Zaubersprüche. Keine Mystik sondern auswendig gelernte Rezepte und Zeiteinteilungen!!!!

Also fasse ich mal zusammen, für einen guten Damast benötige ich Kondition, Konzentration, gleichmäßiges Licht, und guten Brennstoff.

Man muss auch berücksichtigen, dass der Schmied ein beschäftigter Mann war. Es herrschte Vollbeschäftigung, er hatte keine Zeit für Exprimente. Nur im Winter war das Leben und Arbeiten etwas ruhiger, aber die Tage kürzer. Und so kann ich mir gut vorstellen, dass eine klare Vollmondnacht zum Arbeiten genutzt wurde.

Da Kondition und Konzentration über einen längeren Zeitraum gefordert ist, sucht man sich einen geeigneten Zeitpunkt aus, an dem man auch seine Ruhe hat. Also nächsten Vollmond.

Wenn ich Damast herstelle, bereite ich mich schon ein Paar Tage mental darauf vor,

melde ich mich überall ab, verschließe die Tür, verhänge die Fenster, Telefon habe ich nicht in der Schmiede, und arbeite dann in aller Ruhe. Wer Lust hat, kann sich bei mir melden, und mitmachen.

 

 

            Schmieden aber richtig

 Bei meinen Schmiedevorführungen höre ich oft, dass die Eltern ihren Kindern meine Arbeit so interpretieren:

„ Der Schmied legt das Eisen in das Feuer, und wenn es heiß ist, kann er es breit hämmern.“

 Dann muss ich immer schlucken.

 Und ich erkläre meine Arbeit dann so:

 Schmieden heißt: Mit einem sauberen Feuer,  und dem richtigen Hammer, der richtigen Arbeitstechnik, und bei der richtigen Wärme das Schmiedestück in die gewünschte Form schmieden.

 Im Klartext heißt es:

Das richtige Feuer - 

Die Kohle – ein sauberes Feuer ist das „A + O“ beim Schmieden. Das sauberste Feuer wird mit Holzkohle erzielt. Die Holzkohle verbrennt fast ohne Rückstände.

 Schmiedet man mit Steinkohle, kommt es auf eine gute Feuerführung an. Das Feuer wird immer so geführt, das die abgeflammte, also saubergebrannte Kohle zum erwärmen genommen wird, und die frische Kohle rechts und links neben dem Feuer liegt, und dort abflammen kann. Beachtet man dies nicht, wird das Eisen alle Verunreinigungen wie z.B. Schwefel aufnehmen aber keinen Kohlenstoff ( es wird immer behauptet man könne in der Schmiedeesse aufkohlen - es geht nicht, ich werde beim Thema Härten darauf zurückkommen). In einem Holzkohlefeuer kann man das Eisen beliebig oft erwärmen, aber in einem sauberen Steinkohle oder Koksfeuer  darf man ein Schmiedestück maximal 21 X !!erwärmen sonst verdirbt es.

 Der richtige Hammer

Für jeden Arbeitsgang benötigt der Schmied einen passenden Schmiedehammer. Ich meine jetzt nicht einen der unzähligen Setz-, Kehl-, Schrot-, oder Schlichthammer, sondern einen Handhammer mit dem richtigen Gewicht und Form. Für große Querschnitte einen Großen und für kleine Querschnitte einen kleinen Hammer.

Oft kommt aus dem Publikum der Zwischenruf: Der Hammerstiel ist ganz bezahlt. Weil mein Schmiedehammer  einen Fäustelstiel hat.

Dann erkläre ich den Unterschied zwischen einem Schmiedehammer und einem Schlosserhammer.

Ein Schlosserhammer hat einen längeren Stiel, weil er für einzelne, präzise Schläge beim Richten oder beim Stauchen eines Niet gedacht ist. Der Hammerkopf eines Schlosserhammers hat eine gerade Hammerbahn mit relativ scharfen Kannten, damit man einen Nagel oder einen Niet gerade treffen oder einschlagen kann.

Beim Schmiedehammer benötigt man einen kürzeren Stiel, weil der Schmied in der linken Hand das Werkstück hält und mit der rechten Hand zuschlägt. Würde der Stiel zu lang sein, steht der Schmied nicht mehr rechtwinklig am Amboss, sondern bekommt auf die Dauer einen Haltungsschaden. Dann kommen noch die Belastungen der Gelenke, Sehnen und Bänder von Hand und Ellenbogen dazu. Bei stundenlangen Schmiedearbeiten über Tage, Wochen und Jahrzehnten zahlt sich ein passender Hammer aus. Auch die Auswahl des Holzes und das Aufstielen will gelernt sein. Der Hammerkopf hat eine gewölbte also eine ballige Hammerbahn,  damit der Hammer beim Schmieden keine scharfen Kannten und Abdrücke im Werkstück hinterlässt. Die Hammerfinne kann längs (Kreuzhammer) oder  quer (Schlosserhammer) zur Hammerachse verlaufen. 

Das soll zum Thema Hammer reichen. Sonnst wird der Bericht zu lang.

Die Arbeitstechnik -  Bevor man mit der Arbeit beginnt, sollte man sich gründlich überlegen was man schmieden möchte. Die Arbeitsvorbereitung ist genau so wichtig wie alles andere. Eine genaue Zeichnung ist unerlässlich, damit man mit möglichst wenig Wärmen und Hammerschlägen auskommt.

Die Schmiedetemperatur -  Die richte Schmiedetemperatur entnimmt man aus dem Tabellenbuch! Die richtige Schmiedetemperatur ist wichtig für die Qualität des Schmiedestückes. Einfaches Schmiedeeisen kann locker bis bei Weißwärme geschmiedet werden. Selbst wenn an der Oberfläche leichte Funken entstehen, ist das Eisen noch nicht gleich verdorben. Aber bei Stahl ist es fiel schwieriger, hier muss man unbedingt die richtige Temperatur einhalten. Bei einem reinen C- Stahl wie z.B. C 65 W1 liegt die Schmiedetemperatur bei            1050 – 850 °C. Das heißt die Glühfarbe ist von Hellgelbrot – Hellrot, aber bei gedämpften Tageslicht. Also ist auch ist eine gleichmäßige Beleuchtung zwingend nötig.

Das Härten – ist ein eigenes Kapitel, bei dem man noch genug Fehler machen kann. Ich werde es aber noch ansprechen.

Nur wenn diese oben angesprochenen Punkte richtig eingehalten werden, spreche ich vom Schmieden.

Wenn ich eine Messerklinge schmiede, ist sie besser als eine geschliffene Klinge, vorausgesetzt ich mache keinen Fehler!

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Stand: 10. Oktober 2006